Der amtierende Vorstand des Mülheimer Kunstvereins (v.l.): Gerold d’Hamé, Sabine Falkenbach, Edda Sloma, Karin Dörre, Tania Terium, Ulrich Schallwig, Helmut Kottkamp, Klaus Bloem und Dr. Stefanie Zanon.
Der Mülheimer Kunstverein e. V. feiert sein 70-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung im Jahr 1956 setzt sich der Verein für die Förderung von Kunst, die Vermittlung zeitgenössischer Positionen und die Unterstützung von Künstlerinnen und Künstlern aus der Region ein. Bis heute wird die Arbeit des Vereins ehrenamtlich aus der Bürgerschaft heraus getragen.
Zum Jubiläum lädt der Mülheimer Kunstverein zur Finissage der Ausstellung Verknüft der Künstlerin Gisoo Kim am 18. Oktober ein. Die Veranstaltung wird mit Snacks, Wein und musikalischer Begleitung durch das Duo Plus gestaltet.
„Seit sieben Jahrzehnten bringt der Kunstverein Menschen mit Kunst in Kontakt und schafft Räume für Begegnung, Austausch und kulturelle Teilhabe“, sagt die Vorsitzende des Vereins, Tania Terium. „Diese kontinuierliche Arbeit ist nur durch das große Engagement unserer Mitglieder und Unterstützerinnen und Unterstützer möglich.“
Von der Gründung 1956 bis heute
Die Geschichte des Vereins begann unmittelbar nach der Pensionierung von Oberstudiendirektor Dr. Heinrich Monzel (Foto), dem damaligen Leiter des staatlichen Gymnasiums – heute Otto-Pankok-Gymnasium. Am 30. Januar 1956 rief er eine Versammlung zur Gründung eines unabhängigen Kunstvereins ein. Der Eintrag in das Vereinsregister erfolgte am 19. Juli 1956.
Bereits wenige Jahre später hatte sich der Kunstverein als fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt etabliert. Die Mülheimer Ruhrnachrichten schrieben 1960: „Aus dem Kulturleben in Mülheim, soweit es die Öffentlichkeit anspricht, ist der Kunstverein nicht mehr wegzudenken.“
In den Anfangsjahren unterstützte der Verein gemeinsam mit dem damals noch ohne eigenes Gebäude arbeitenden Kunstmuseum die Entwicklung des kulturellen Lebens in der Stadt. Ausstellungen fanden unter anderem in der Stadthalle, der Stadtbücherei und auf Schloss Styrum statt. Künstlerpersönlichkeiten wie Ernst Rasche und Heinrich Siepmann begleiteten die Gründungsphase.
Wechselnde Vorstände, konstante Ziele
Die Entwicklung des Vereins wurde über Jahrzehnte von engagierten Persönlichkeiten geprägt. Neben Gründer Dr. Heinrich Monzel, der den Vorsitz von 1956 bis 1969 innehatte, prägten unter anderem Eleonore Güllenstern und Hans-Jürgen Bolz die Arbeit des Kunstvereins maßgeblich. Im Jahr 2009 übernahm der Mülheimer Unternehmer Rainer Grillo den Vorsitz. Während seiner Amtszeit wurde unter anderem der „Preis des Mülheimer Kunstvereins“ für die lokale Künstlerschaft neu ausgelobt.
Heute wird der Verein von Tania Terium als erster Vorsitzender geleitet. Unterstützt wird sie von Ulrich Schallwig (zweiter Vorsitzender), Helmut Kottkamp (Schatzmeister), Dr. Stefanie Zanon (Leiterin Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr) sowie den Beisitzenden Klaus Bloem, Karin Dörre, Gerold d’ Hamé und Edda Sloma.
Vermittlung, Förderung und Begegnung
Ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt bis heute in der Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Mit Führungen, Künstlergesprächen, Workshops, Atelierbesuchen und Exkursionen schafft der Kunstverein Zugänge zu aktueller Kunst für unterschiedliche Zielgruppen.
Seit vielen Jahren besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr. Der Verein unterstützt die Vermittlungsarbeit des Museums und entwickelt zugleich eigene Programme und Ausstellungsprojekte.
Zu den bedeutenden Projekten der vergangenen Jahre gehörte die Jubiläumsausstellung „Farbe – Raum – Objekt“ zum 65-jährigen Bestehen im Jahr 2021. Die Ausstellung im Kunstmuseum Temporär und in der Galerie d’ Hamé vereinte elf künstlerische Positionen und führte regionale Kunstschaffende mit Künstlerinnen und Künstlern aus anderen Regionen zusammen.
Neuer Preis für Künstlerinnen im Ruhrgebiet
Im Jubiläumsjahr 2026 setzt der Mülheimer Kunstverein einen neuen Akzent: Erstmals wurde der mit 3.500 Euro dotierte Mid-Career Award für bildende Künstlerinnen im Ruhrgebiet vergeben. Der Preis richtet sich an Künstlerinnen in der Mitte ihrer Laufbahn, die bei vielen Förderprogrammen bislang nur eingeschränkt berücksichtigt werden.
Aus 46 Bewerbungen wählte die Jury die in Essen lebende Künstlerin Gisoo Kim als erste Preisträgerin aus. Die Auszeichnung ist mit einer Ausstellung in der Galerie d’ Hamé verbunden.
Ehrenamtliches Engagement mit Wirkung
Der Mülheimer Kunstverein verfügt über keine hauptamtliche Struktur und finanziert seine Arbeit vor allem durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Gerade diese bürgerschaftliche Verankerung ist ein prägendes Merkmal des Vereins.
Mit seinem vielfältigen Programm ist der Verein weit mehr als ein Unterstützer von Ausstellungen. Er verbindet Museum, Kunstschaffende und Öffentlichkeit, schafft Zugänge zu zeitgenössischer Kunst und stärkt die kulturelle Identität der Stadt.
„Sein Ziel ist es, Kunst als lebendigen Bestandteil der Stadtgesellschaft erfahrbar zu machen“, sagt Dr. Beate Reese, ehemalige Leiterin des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr und Vorstandsmitglied des Kunstvereins von 2009 bis 2023. “Der Kunstverein verbindet Künstlerinnen und Künstler, Museum und Publikum – und schafft damit wichtige kulturelle Impulse für Mülheim.“
Gerade angesichts wachsender Herausforderungen für kulturelle Einrichtungen zeigt sich die Bedeutung einer kontinuierlichen, ehrenamtlich getragenen Kulturarbeit. Seit 70 Jahren macht der Mülheimer Kunstverein Kunst in Mülheim sichtbar, erfahrbar und zum Teil des gesellschaftlichen Lebens.

